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Brauchen wir einen postdigitalen Katastrophenschutz für Bibliotheken?

Katastrophenschutz in Bibliotheken
Eigene MLA-Arbeitsgruppe sorgt sich um den Katastrophenschutz in US-Bibliotheken.

Heutzutage ist nicht Überflutung das Risiko Nr. 1, sondern die zahlreichen Hackerattacken. Es ist ein lukratives Geschäftsmodell geworden, die Infrastruktur moderner Gesellschaften anzugreifen. Auch hier gilt: Der Erfolg frißt seine Kinder bzw. schafft seine eigenen Betrugsmodelle.

Kann die Sicherheit dieser Entwicklung standhalten?
Für Röhrl liegt eine Ursache für die schweren Auswirkungen des Angriffs bei den digitalisierten Arbeitsabläufen in Neuss. „Die Sicherheit muss dieser Entwicklung standhalten“, sagt er.

Angesichts von Hackern und Ransomware: Brauchen wir einen Fallback für vordigitale Zeiten?
Sind wir vorbereitet, gibt es Schutzmechanismen? Ist die Öffentlichkeit dieser Gefahr gewahr? Angesichts der Empfehlung der Leibniz-Gemeinschaft, die Förderung der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin zu beenden kommen Zweifel auf, ob die Öffentlichkeit begriffen hat, welche Gefahren die Digitalisierung birgt, und dass es starke Archivbibliotheken braucht.

Ist eine Bibliothek so wichtig wie ein Krankenhaus?
Nein, sicher nicht. Aber eine Reihe von Bibliotheken mit einzigartigen Schätzen? Eine Datenbank mit einzigartigen Bestandsnachweisen? Was ist, wenn alle Bibliotheken auf einem bestimmten Level betroffen sind?

Welche Daten sind gefährdet?
Katalogdaten mannigfaltig verteilt, im WordCat, im HBZ, im Lokalsystem, in speziellen Datenbanken. Sicher wird das Cloud-Cataloging der Zukunft neue Schwachstellen mit sich bringen, vielleicht auch alte beseitigen – wer weiß?

Gibt es Informationsquellen, die für einen Ersatz sorgen könnten?

Welche Informationen, welche Services wären nach einem Stromausfall / Hackerangriff nicht mehr / noch zugänglich?

Sind Bibliotheken vorbereitet?
Gibt es noch papierne Ausleihscheine im Keller? Sind Bücher systematisch aufgestellt? Gibt es ein Backup von Printzeitschriften? Gibt es Mittel und Wege der Lieferung aus einigen wenigen zentralen Archiven?

Bibliotheken helfen Wissenschaftlern nicht in Forschungsdaten zu ersticken

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Der Research Life Cycle dient als Raster für die Struktur und Bedarfsgerechtkeit von Bibliotheksdienstleistungen

Die Zweigbibliothek Medizin der Universität Münster führt regelmässig alle sechs Jahre einen Workshop für Leiter von Medizinbibliotheken durch. Ziel ist die Anpassung der Services an die Realitat, sprich Informationsbedürfnisse unserer Nutzer. Der Workshop hieß auch deswegen „Zukunftskolloquium“, weil ich immer an innovativen Dienstleistungen interessiert war. Der workshop war deutschsprachig, die Teilnehmer kamen mithin aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden. Die Workshops zeichneten sich durch interaktive Sessions aus, die von hochrangigen Experten auf ihrem Gebiet angeleitet wurden.

Pressemeldung
Daten sind der Rohstoff der Wissenschaft – doch immer mehr Forscher drohen daran zu ersticken. So produziert alleine der Teilchenbeschleuniger des Kernforschungszentrums CERN 30 Millionen Gigabytes – und zwar jährlich. Fachbibliotheken können hier gezielt helfen. Ein Kolloquium in der Zweigbibliothek Medizin (ZB Med) der Universität Münster diskutierte jetzt ihre Rolle nicht nur bei der Sicherung von großen Datenmengen, sondern generell bei der Unterstützung von Wissenschaftlern im gesamten Forschungszyklus, von der ersten Idee über Informationssuche, Veröffentlichung und erhöhte Sichtbarkeit der Ergebnisse.

Mit Vanessa Proudman von proud2know aus den [Ort in den Niederlanden] und Henriette Senst vom Robert Koch-Institut in Berlin konnte ZB-Med-Leiter Dr. Oliver Obst zwei renommierte Expertinnen für das Kolloquium gewinnen. Zusammen mit ihnen diskutierten Führungskräfte von zwölf Medizinbibliotheken aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden, wie man Bibliotheken für die gezielte Forschungsunterstützung fit machen kann. „Ultimatives Ziel hierbei ist es, die Wissenschaftler von fachfremden Arbeiten zu entlasten, damit sie auf die eigentliche Forschung konzentrieren können“, so Obst. Dafür bewährt hätten sich Lieferdienste, die alle Zeitschriftenartikel weltweit innerhalb von wenigen Stunden besorgen können, und Support bei bibliometrischen und urheberrechtlichen Problemen.

An der Universität Münster wird gerade eine Leitlinie zum Forschungsdatenmanagement erstellt. Nach einer aktueller Umfrage ist der Beratungsbedarf in der Medizin zu Forschungsdaten besonders hoch. Insbesondere rechtliche und technische Fragen der Langzeitspeicherung sind vielfach ungeklärt oder Hilfskräften überlassen. Eine WWU-Policy soll hier Abhilfe schaffen. „Bibliothek und IT-Zentrum sind wichtige Mitstreiter bei der Leitlinie, denn Daten in der Größenordnung von Millionen Gigabytes werden auch in Münster über kurz oder lang anfallen“, blickt Obst nach vorn.

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Einige Impressionen vom Workshop

Last resort for trustworthy librarians

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The world is very much in need of trustworthy information provided by trustworthy people. In many cases, librarians are the trustworthy people par excellence. And that is good. Users trust us, 1) that we know everything about trustworthy sources, and 2) that we do everything to make them available. The trustworthiness of librarians is legendary, it is proved, it is evidence-based and built into our genes. In an OCLC survey on the perception of libraries versus search engines such as Google [1], 91% Americans found search engines faster, 90% more convenient, 83% easier to use, and 72% more reliable than libraries. The only two categories, where libraries exceeded were accuracy and … trustworthiness. 65% considered libraries more trustworthy than search engines.

Recently, this important characteristic was neatly summarized by librarian Marcus Banks: “One of the long-prized skills for librarians is the ability to guide people to trustworthy sources. This can happen in multiple ways, either a direct and straightforward referral to a particular source, or (hopefully) via an instructional session that provides people with tools for evaluating the trustworthiness of sources they find on their own. In either case, the librarian is the filter for trustworthiness.” [2]

This may change in the next few years as Google has successfully developed a mechanism for ranking search results by the trustworthiness of the sources. Eventually, this would make the search engine the arbiter on right and wrong. [3] That may put a totally new viewpoint on the Google motto: “Don’t be not evil” [4]. If Google stepped into the trustworthy business, that may change our perception of the world fundamentally, because we see the world through Google eyes. Google increasingly decides what we see and what we do not see [5].

Banks commented: “If the Google team’s proposal goes forward, there would be less need – perhaps eventually no need – for librarians to serve as such a filter. I argue for two actions in a ‘Google trustworthy sources’ era: concentrate on helping people synthesize and evaluate the content they locate, moving into a more pedagogical vein; and intensify our focus on collecting, curating and preserving the unique content of our own institutions. […] Both approaches would demonstrate the continued vitality of librarians in the digital age.”

I hope he is proved right.

  1. OCLC. Perceptions of libraries, 2010: Context and Community 2010. Available from https://www.oclc.org/content/dam/oclc/reports/2010perceptions/thelibrarybrand.pdf
  2. Banks M. Google as trustworthiness filter, and what it means for librarianship. Marcus’ World 03.05.2015. Available from http://mbanks.typepad.com/my_weblog/2015/05/google-as-trustworthiness-filter-and-what-it-means-for-librarianship.html
  3. Weinberger D, Gillmor D. So Sayeth Google. The search engine should not be the arbiter of truth. Slate 13.03.2015. Available from http://www.slate.com/articles/technology/future_tense/2015/03/google_search_results_accuracy_the_search_engine_shouldn_t_decide_what_s.html?wpsrc=sh_all_mob_em_ru
  4. https://en.m.wikipedia.org/wiki/Don’t_be_evil
  5. Pasquale F. The black box society: The secret algorithms that control money and information. Cambridge: Harvard University Press; 2015.

This post will be published in the December issue of the Journal of the EAHIL.

Foto by Oliver Obst