Liebe Mediziner …

… heute bin ich besonders stolz. Weniger darauf, dass ich es zusammen mit dem Team der Zweigbibliothek Medizin geschafft habe, über 20 Jahre hinweg ein Kundenmagazin herauszugeben. Weniger darauf, dass Text und Layout immer professioneller wurden. Weniger darauf, dass es Kern einer ganzen Palette von Produkten geworden ist. Nein, wirklich stolz bin ich darauf, weil am Anfang alle sagten: „Nein, das wird nichts!“.

Ich habe es trotzdem gemacht. Weil ich einen „Riecher“ dafür hatte. Und: Weil ich daran geglaubt habe. Sie kennen dieses Gefühl bestimmt. Der Sage nach soll es am Anfang jeder bahnbrechenden Entwicklung stehen. Kein Nobelpreisträger, der nicht davon berichten kann, dass am Anfang alle gesagt haben: „Nein, das wird nichts!“.

Nun, ok, ich werde in meinem Leben sicher keinen Nobelpreis mehr bekommen (außer den Nobelpreis fürs Bibliothekswesen vielleicht, aber da glaube ich auch nicht wirklich dran). Aber vielleicht Sie? Vielleicht hat Ihr Chef auch gerade Ihre Forschung in die Tonne getreten? Kein Grund niedergeschlagen zu sein – Petrischalen im Mülleimer sind die allerersten Kandidaten für den Nobelpreis!

Und überhaupt, das ganze Forscherleben ist ein einzige Qual. Diese elende Schreibarbeit, diese Angst bei der Literatursuche etwas übersehen zu haben, diese Open-Access-Abzocke, diese schleichende Gefühl, niedrig­rangig publiziert zu haben… Forschung ist 90% Transpiration und 10% Inspiration, hat mein Doktorvater immer gesagt. Ich habe gedacht, er meint mit ‚Transpiration‘ die Lauferei im Labor, die endlose Wiederholung der stets gleichen Experimente. Nein, das war‘s nicht. Ich glaube heute vielmehr, dass Transpiration all das ist, was einen von seinen Experimenten abhält. All der nutzlose Ballast. Literatur, Open-Access, Forschungsdatenpläne, Impact Faktoren, Doktorarbeiten, usw.

Aber nun kommt die gute Nachricht: Auch wenn alle sagen: „Nein, das wird nichts!“, die Bibliothek glaubt an Sie. Fest. Wir glauben an Ihre verrückten Experimente, an Ihre verrückte Literatursuche, an Ihr bohrendes Gefühl, besser publizieren zu müssen. Wir glauben an all das, wenn Sie zu uns kommen und uns um Hilfe bitten. Wir glauben an Sie, gerade weil Sie uns um Hilfe bitten. Das ist nicht dumm. Wir können Ihnen Arbeit abnehmen. Und: Wir können unsere Expertise teilen und dabei vom anderen lernen.

Und wo ich das schreibe, fällt mir ein, das dies auch immer so ein bisschen das Ziel des Magazins ‚med‘ war: Zu teilen, was uns beschäftigt, damit wir alle davon lernen können. So möge es auch die nächsten 20 Jahre sein. Hugh!

Bibliotheken helfen Wissenschaftlern nicht in Forschungsdaten zu ersticken

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Der Research Life Cycle dient als Raster für die Struktur und Bedarfsgerechtkeit von Bibliotheksdienstleistungen

Die Zweigbibliothek Medizin der Universität Münster führt regelmässig alle sechs Jahre einen Workshop für Leiter von Medizinbibliotheken durch. Ziel ist die Anpassung der Services an die Realitat, sprich Informationsbedürfnisse unserer Nutzer. Der Workshop hieß auch deswegen „Zukunftskolloquium“, weil ich immer an innovativen Dienstleistungen interessiert war. Der workshop war deutschsprachig, die Teilnehmer kamen mithin aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden. Die Workshops zeichneten sich durch interaktive Sessions aus, die von hochrangigen Experten auf ihrem Gebiet angeleitet wurden.

Pressemeldung
Daten sind der Rohstoff der Wissenschaft – doch immer mehr Forscher drohen daran zu ersticken. So produziert alleine der Teilchenbeschleuniger des Kernforschungszentrums CERN 30 Millionen Gigabytes – und zwar jährlich. Fachbibliotheken können hier gezielt helfen. Ein Kolloquium in der Zweigbibliothek Medizin (ZB Med) der Universität Münster diskutierte jetzt ihre Rolle nicht nur bei der Sicherung von großen Datenmengen, sondern generell bei der Unterstützung von Wissenschaftlern im gesamten Forschungszyklus, von der ersten Idee über Informationssuche, Veröffentlichung und erhöhte Sichtbarkeit der Ergebnisse.

Mit Vanessa Proudman von proud2know aus den [Ort in den Niederlanden] und Henriette Senst vom Robert Koch-Institut in Berlin konnte ZB-Med-Leiter Dr. Oliver Obst zwei renommierte Expertinnen für das Kolloquium gewinnen. Zusammen mit ihnen diskutierten Führungskräfte von zwölf Medizinbibliotheken aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden, wie man Bibliotheken für die gezielte Forschungsunterstützung fit machen kann. „Ultimatives Ziel hierbei ist es, die Wissenschaftler von fachfremden Arbeiten zu entlasten, damit sie auf die eigentliche Forschung konzentrieren können“, so Obst. Dafür bewährt hätten sich Lieferdienste, die alle Zeitschriftenartikel weltweit innerhalb von wenigen Stunden besorgen können, und Support bei bibliometrischen und urheberrechtlichen Problemen.

An der Universität Münster wird gerade eine Leitlinie zum Forschungsdatenmanagement erstellt. Nach einer aktueller Umfrage ist der Beratungsbedarf in der Medizin zu Forschungsdaten besonders hoch. Insbesondere rechtliche und technische Fragen der Langzeitspeicherung sind vielfach ungeklärt oder Hilfskräften überlassen. Eine WWU-Policy soll hier Abhilfe schaffen. „Bibliothek und IT-Zentrum sind wichtige Mitstreiter bei der Leitlinie, denn Daten in der Größenordnung von Millionen Gigabytes werden auch in Münster über kurz oder lang anfallen“, blickt Obst nach vorn.

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Einige Impressionen vom Workshop

Last resort for trustworthy librarians

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The world is very much in need of trustworthy information provided by trustworthy people. In many cases, librarians are the trustworthy people par excellence. And that is good. Users trust us, 1) that we know everything about trustworthy sources, and 2) that we do everything to make them available. The trustworthiness of librarians is legendary, it is proved, it is evidence-based and built into our genes. In an OCLC survey on the perception of libraries versus search engines such as Google [1], 91% Americans found search engines faster, 90% more convenient, 83% easier to use, and 72% more reliable than libraries. The only two categories, where libraries exceeded were accuracy and … trustworthiness. 65% considered libraries more trustworthy than search engines.

Recently, this important characteristic was neatly summarized by librarian Marcus Banks: “One of the long-prized skills for librarians is the ability to guide people to trustworthy sources. This can happen in multiple ways, either a direct and straightforward referral to a particular source, or (hopefully) via an instructional session that provides people with tools for evaluating the trustworthiness of sources they find on their own. In either case, the librarian is the filter for trustworthiness.” [2]

This may change in the next few years as Google has successfully developed a mechanism for ranking search results by the trustworthiness of the sources. Eventually, this would make the search engine the arbiter on right and wrong. [3] That may put a totally new viewpoint on the Google motto: “Don’t be not evil” [4]. If Google stepped into the trustworthy business, that may change our perception of the world fundamentally, because we see the world through Google eyes. Google increasingly decides what we see and what we do not see [5].

Banks commented: “If the Google team’s proposal goes forward, there would be less need – perhaps eventually no need – for librarians to serve as such a filter. I argue for two actions in a ‘Google trustworthy sources’ era: concentrate on helping people synthesize and evaluate the content they locate, moving into a more pedagogical vein; and intensify our focus on collecting, curating and preserving the unique content of our own institutions. […] Both approaches would demonstrate the continued vitality of librarians in the digital age.”

I hope he is proved right.

  1. OCLC. Perceptions of libraries, 2010: Context and Community 2010. Available from https://www.oclc.org/content/dam/oclc/reports/2010perceptions/thelibrarybrand.pdf
  2. Banks M. Google as trustworthiness filter, and what it means for librarianship. Marcus’ World 03.05.2015. Available from http://mbanks.typepad.com/my_weblog/2015/05/google-as-trustworthiness-filter-and-what-it-means-for-librarianship.html
  3. Weinberger D, Gillmor D. So Sayeth Google. The search engine should not be the arbiter of truth. Slate 13.03.2015. Available from http://www.slate.com/articles/technology/future_tense/2015/03/google_search_results_accuracy_the_search_engine_shouldn_t_decide_what_s.html?wpsrc=sh_all_mob_em_ru
  4. https://en.m.wikipedia.org/wiki/Don’t_be_evil
  5. Pasquale F. The black box society: The secret algorithms that control money and information. Cambridge: Harvard University Press; 2015.

This post will be published in the December issue of the Journal of the EAHIL.

Foto by Oliver Obst